Atomic Eden

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Inhalt:  

Stoker (Fred Williamson) bekommt den Auftrag eine geheime Waffe aus einem der Bunker unterhalb von Tschernobyl zu sichern. Dazu schart er eine Truppe Söldner aus aller Herren Länder um sich. Kaum ist das Team, darunter Darwin (Everett Ray Aponte), David (Mike Möller), Raiko (Hazuki Kato), John (Nico Sentner), Laurie (Josephine Hies) sowie einigen anderen, im verseuchten Tschernobyl angekommen, werden sie auch schon von den Schergen der Organisation namens „Legion“ unter Dauerfeuer genommen.  Während sie versuchen den Horden von Gegnern Einhalt zu gebieten läuft ihnen die Zeit davon den die atomare Verstrahlung ist ein weiterer Gegner, den sie nicht bekämpfen können. Und so beginnt für Stoker und sein Team ein Wettlauf gegen die Zeit … und Munitionsknappheit!

Review

Atomic Eden ist der erste abendfüllende Spielfilm von Nico Sentner. Doch wer jetzt glaubt hier jemanden vor sich zu haben der mal so nebenbei einen Spielfilm ohne sonstige Kenntnisse heruntergekurbelt hat, wäre ja in diesem Sektor nicht das erste Mal, der irrt. Mit seinem Kurzfilm Dark Legacy konnte Nico Sentner bereits im Jahr 2005 beim New York International Independent Film und dem Video Festival in Los Angeles einige Preise gewinnen. Und das mit einem Kurzfilm, der in seinem Heimat Deutschland nur auf Ablehnung stieß. Ein weiteres Armutszeugnis für ein Land das mit wegweisenden Filmen wie Nosferatu (1922)“ oder das Kabinett des Dr. Caligari (1920)“ seine Position im Genrefilm schon bestätigt hatte als der Rest der Welt nicht einmal ansatzweise wusste wie solche Filme überhaupt gedreht werden. Ein Umstand den wir der braunen Fraktion Anfang der 1930er Jahre bis Heute verdanken. Leider sind Produktionen außerhalb der deutschen Norm (Langweilig+Kompliziert=Kunst) nicht gerne gesehen. Noch immer sind Genreproduktionen das verachtete Stiefkind der Produzenten, Produktionsfirmen, TV-Sender oder potenziellen Film Förder Vereinen. Doch es gibt immer wieder Hoffnungs-Schimmer wie Plan B – scheiß auf Plan A, Schneeflöckchen oder eben jetzt Atomic Eden! Und so wie die ollen Nazis der potenziellen Filmgeschichte Deutschlands den Gar ausgemacht haben, leider überlebten viele Filmemacher den Holocaust nicht oder gingen nach Amerika, versucht ebenso eine faschistoide Organisation namens „Legion“ Hitlers Geheimwaffe „Atomic Eden“ zu schützen. Nur haben diese die Rechnung ohne Stoker und seine kampferprobten Söldner gemacht. In gut konstruierten Ballereien werden die Schergen zu gefühlt hunderten, nicht umsonst ist einer der Werbeslogan 8 gegen 800, dezimiert. Dabei setzt die Produktion auf handgemachte blutige Einschüsse. Eine wohltat für die von “CGI Gewittern“ vergewaltigten Augen. Hier wird mit allem Geschossen was das Repertoire hergibt. Die verschiedenen Momente der Invasion durch die Schergen erinnern an Klassiker wie Assault – Anschlag bei Nacht und eben Alamo, was kein Zufall ist. Regisseur Sentner ist bekennender John Carpenter Fan. Und als waschechter Fan von amerikanischen Actionfilmen hat sich der Regisseur tatkräftige Unterstützung aus Hollywood geholt. Fred Williamson und Lorenzo Lamas absolvieren hier ihre ersten Schritte auf deutschen Terrain. Der gute Fred hat sogar die Hauptrolle und drückt mit Witz, Charme und einer dicken Zigarre Atomic Eden seinen Stempel auf! Der zum damaligen Zeitpunkt 77! Jährige ist kein bisschen Müde und liefert wie gewohnt ab. Neben den zahlreichen und langen Shootouts wurden auch extrem starke Fights in die Action eingebaut. Was hier der erfahrene Martial Arts Darsteller Mike Möller (Street Gangs, Ultimate Justice) an Können mit einfließen lässt ist eine wahre Wonne. In Atomic Eden wird ohne Punkt und Komma ausgiebig die Fassade des gegenüber mit Schlägen und Tritten eingedeckt das man glaubt sich in einem guten alten Honkong Actioner wiederzufinden. In Kombination mit dem rasanten Schnitt der sich aber auch Zeit für längere Einstellungen lässt, ist in jeder Sekunde absolute Professionalität zu spüren. Hier sitzt das “Handwerk“ an jeder Ecke.  Josephine Hies ist hier als “Boom Babe“ Laurie in ihrem zweiten Langspielfilm zu sehen. Die zierliche Darstellerin ist eine wahre Augenweide, sublime sexuelle Anspielungen mit „explosiven Dynamitstangen“ inbegriffen. Aber lassen wir mal meine verdrehten Hintergedanken außer acht und beschränken uns auf ihre Leistung. Denn die ist zwar weit entfernt von einer Oscarnominierung aber bewegt sich auf einem guten Niveau und lässt ab und an ihre Kollegen durch ihre tolle Mimik recht alt aussehen. Der einzige Kritikpunkt meinerseits ist die Tatsache das man sich eine Location gesucht hat ohne funktionierende Duschen oder Badewannen. Ein kleiner Hauch von Erotik hätte dem Film sicherlich gutgetan. Aber kommen wir zu den anderen Darstellern. Hazuki Kato, um bei der weiblichen Besetzung zu bleiben, wirkt hier als Samurai Girl manchmal etwas unterfordert aber macht ihre Sache im Getümmel ausgezeichnet und sieht dabei ebenso fantastisch aus. Wolfgang Riehm als gefallener Priester wirkt in seiner für ihn ungewöhnlichen Rolle dem etablierten Darsteller aus Deutschland entgegen. Und das im positiven Sinne. Everett Ray Aponte, was für ein toller Name, ist hier ebenfalls in seinem ersten Langspielfilm zu sehen. Er macht seine Sache als schroffer Texaner wirklich gut und hat mich in einigem Momenten an die Rolle von Clancy Brown in Ausgelöscht (Walter Hill 1988) erinnert. Zudem hat er eine tolle Synchronisation bekommen, die nur allzu gut bekannt sein dürfte. Natürlich darf auch Regisseur Nico Sentner nicht fehlen und hat eine Nebenrolle als Sniper die er mit einem kleinen Augenzwinkern einführt. Die anderen Darsteller bewegen sich im gehobenen Mittelmaß. Was die Dialoge betrifft darf man natürlich bei einem Action Kracher wie Atomic Eden keine Tarantino Texte erwarten Alles passt zum Inhalt, auch wenn hier und da die One-Liner nicht das entsprechende Timing haben. Einige Inhalte sind zwar das pure Kopfschütteln aber wenn dann solche trockenen Onliner kommen: „Wir sind Legion, denn wir sind Viele!“ kann ich lachend am Boden darüber hinwegsehen! Die Gestaltung der Szenen wirkt in den Actionsequenzen gut geschnitten und lässt kaum Wünsche offen. Hier und da gibt es auch stimmige ruhige Szenen. Obwohl mir persönlich die Bewegung der Kamera teilweise etwas zu starr und lustlos vorkam. Besonders schade ist die Farbkorrektur in den Tagesszenen. Hier wurde viel mit natürlichem Licht gearbeitet was die lustlose Farbkorrektur leider um einiges billiger aussehen lässt als es sicherlich war. Dafür sind die Nachtszenen gut ausgeleuchtet und können die Stimmung bestens einfangen. 

Fazit:

Zum Schluss bleibt zu sagen das Atomic Eden hier und da schwächen hat, aber Hey, welcher Film hat das nicht? Ungeachtet dieser Feinheiten ist Atomic Eden ein waschechter Action Film der alten Schule und hat seine Wurzeln im B-Movie Sektor der 1980er Jahre. Der Film will auch nicht mehr sein und nimmt sich auch nicht so Bierernst wie viele andere Vertreter des Genres. Ohnehin ist es eine absolute Meisterleistung von Nico Sentner einen Film in dieser Qualität und mit einigen bekannten Darstellern aus Amerika abzuliefern. Neben all den teilweise beschämenden Produktion aus dem Land wo Müllcontainer Öffnungszeiten haben und die Bürokratie ein Diplom im Umgang mit dieser verlangt, ist Atomic Eden ein Lichtblick und ich hoffe das Nico Sentner und allen, die daran beteiligt waren noch einiges von sich hören lassen. Denn hier ist das Potenzial vorhanden was unsere Filmindustrie ganz Dringend benötigt!

Alle Bilder wurden mit freundlicher Genehmigung von der Generation X Group GMBH zur Verfügung gestellt!

 

09.04.19

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