Isolation – hinter verzerrten Gedanken

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Bei dem vorliegenden Film von Cedric Endress und El Gore handelt es sich
um die 15 Minuten längere Final Cut Fassung. Produziert wurde der Film
2014 von Grindhouse Films, der Vertrieb läuft über Black Lava
Entertainment. Die Macher hinter dem Film zeichnen sich ebenfalls für
die Streifen Paraphilia, Snuff Tape 1&2, sowie die Ghouls Night Out
Trilogie aus.

Isolation – hinter verzerrten Gedanken erzählt die Geschichte von einem psychopathischen
Serienmörder, welcher in der ländlichen Gegend um Steinach scheinbar
wahllos und auf brutalste Weise Morde begeht und dabei mit immer neuen
Mordinstrumenten grausam entstellte Leichname hinterläßt. Ihm gegenüber
steht ein Cop respektive „Detective“, welcher zunächst ratlos an dem
Fall sitzt und versucht dem Psychopathen auf die Spur zu kommen.

Versuchen wir nun zuerst eine Charakterbeschreibung der beiden
Protagonisten. Der Cop oder „Detective“, gespielt von Christian Fryska,
wird hier als ein typisch cooler US-Bulle inszeniert, wie man dies aus
sämtlichem Hollywoodmaterial kennt. Der Typ trägt Anzug mit Krawatte,
weißes Hemd, nuckelt in seiner dunklen Kaschemme am Whiskey und hat
dauernd eine Zigarette brennen. Die Frau ist weg – was sich später im
Film aufklärt – und er zeigt sich als frustrierter, von dem ganzen Elend
seiner Arbeit angekotzter, Einzelgänger. Im Film wird selbst von
„Detective“ gesprochen, was in Anbetracht der ländlichen Idylle von
Steinach etwas skurril wirkt, dem Film damit jedoch auch einen gewissen
Akzent versetzt. Der junge Psychopath, gespielt von Philip Petrosky,
findet seine Darstellung als ein von der Welt und der Gesellschaft
zutiefst enttäuschter und vor allem verstörter Zeitgenosse, der im
Keller eines Hauses wohnt und dessen aggressiver Habitus durch
kahlgeschorenen Kopf und blutige Kleidung, noch mit seiner das
Psychoprofil stützenden Wortkargheit, untermauert wird.

Eingeleitet wird Isolation mit brennenden Kinderbildern des Mörders,
welche sinnbildlich bereits auf die Zerstörung dieses Menschen, seine
Brandmarkung, hindeuten. Darauf folgend wird in einer ersten Verfolgungs-
und Mordszene mit Messer und ordentlich Blut bereits ein Hinweis darauf
gegeben, was im weiteren Verlauf des Films zu erwarten ist. Nämlich
reichliches Gemetzel und Gewalt, welche den Film bis zum Ende hin immer
wieder begleiten. Von nun an ist der Streifen für eine Zeit lang
szenisch-dialogisch konstruiert. Der Zuschauer begleitet den Mörder bei
seinen Taten, in denen dieser immer wieder schockierend als Aggressor
auftritt, ein wild und wahllos Menschen attackierender Psychopath mit
Hang zu äußerster Brutalität. Von hier aus schaltet der Film um zu dem
Cop, der ihm auf der Spur ist und sich langsam immer mehr in den Fall
vertieft. Das Büro des Cops ist dunkel, er sitze alleine in seinem Büro
und tüftelt sukzessiv an dem Rätsel der neuen Schreckensmeldungen, die
er rein bekommt.
Die Mordszenen sind weitestgehend sehr spannend umgesetzt, es geht
brutal zur Sache, ohne dabei jedoch in völlig stumpfe Schlachtorgien zu
verfallen. Einige Tötungsszenen zeichnen sich durch einen gelungenen
repetiven Schnitt aus, welcher die Szenen in ihrer Dramatik hervorstellt
und den Zuschauer schockiert in den Sessel drückt.

Als kleine
beispielhafte Kritik möchte ich hier jedoch den Aufzug des Waldarbeiters
nennen, welchem man ja doch etwas „Waldarbeiterkleidung“ hätte
spendieren können. Denn hier fragt man sich schon, warum ein Typ in
Jeans und Pulli im Feld steht und einen Stamm behackt. Wenn sich das
Opfer hier jedoch nach den ersten Attacken „äußert“ – ich wähle hier zu
Darstellung mal die englische Untertitelung – dann ist diese kleine
Ungereimtheit aber schon wieder vergessen, weil man sich einfach total
freut über diese dramatisierte Einlage, wie es in geilen Indiefilmen nun
mal vorkommt. Ich zitiere: „Fuck, fuck,fuck. Shit, man. Godd amn it.
Shit. Fuck. You hit the vein, you fuck. Oh, god! Shit!“. Einfach geil!
Neben den Mordszenen begleiten wir den jungen Psychopathen auch immer
wieder mal in seine Wohnung, in welcher dieser somit ein wenig weitere
Identität bekommt. Wir sehen Bilder in seinem Kopf, können seine
Entfesselung von dieser Welt, von allem „normalem“ und
realitätsorientiertem erahnen. Stark umgesetzt wurden hier
Farbspielereien, welche Stimmungen und Empfindungen ausdrücken und
untermauern. Wie allseits bekannt, können Farben Stimmungen und
Emotionen heraufbeschwören und beeinflussen, genau damit spielt dieser
Film in einigen Szenen sehr gekonnt und löst damit eine Verstörung
ebenfalls auf Seiten des Zuschauers aus.

Nach einiger Zeit des blutigen Verlaufs gelangen wir zu einer
Schlüsselszene in Isolation. Dem Mörder unterläuft ein folgenschwerer
Fehler, woraufhin der Cop ihm endlich auf die Spur kommt und sich an
seine Fersen heften kann. An dieser Stelle finden wir auch die
eigentlich erste und einzige längere mit mehreren Personen dialogisierte
Szene des Films. Die Untersuchung des letzten Tatortes des Killers wird
hier von der Spurensicherung durchgeführt, wozu unser Cop alsbald
hinzustößt. Klassische und saubere Tatortermittlungsszene, wie bekannt
aus den allabendlichen Kriminalschinken!. Ein feines Detail findet sich
an dieser Stelle, eine altbekannte kriminalistische Weisheit, nämlich
der Umstand, daß der Täter stets an den Tatort zurückkehrt. Doch dies
nur als ein kleines Beispiel für so einige gekonnte Kniffe in Drehbuch
und Umsetzung.

An dieser Stelle kommt nun erneuter Schwung in den Film. Nachdem wir Cop
und Killer eine Zeit lang begleiten konnten und uns das schaurige
Schauspiel mitangesehen haben, beginnt von hier an die eigentliche Hatz.
Wir sehen eine Verfolgungsjagd in absolut bester
Indie-Actionfilm-Manier. Verfolgung zu Fuß, mit dem Wagen, es wird
geschossen und gejagt und natürlich auch actionmäßig ein klein wenig
übertrieben, was hierbei allerdings völlig in Ordnung ist und dem
aufregenden Spektakel auf dem Bildschirm keinen Abbruch tut. Doch ich
möchte nicht allzuviel spoilern und und dem potentiellen Zuschauer nicht
den Spaß an dieser Szene verderben, daher belasse ich meine Anmerkungen
zu dieser Szene nun.
Mit der gelungen umgesetzten und die Spannung haltenden Verfolgungsjagd
gelangt Isolation – hinter verzerrten Gedanken jedoch noch nicht an sein
Ende. Mit den folgenden Szenen schafft es der Film den Zuschauer nochmal
zu bannen und alle Aufmerksamkeit auf das Geschehnis zu lenken. Eine
weitere Komponente in der durchdachten und ausgeklügelten Story wird
hier inszeniert und sorgt für weitere Kurzweile. Mit bereits früh im
Film angedeuteten Facetten geht Isolation hier auf die Zielgerade und
bringt die Psychonummer zu einem spannenden Ende. Erwartet hatte ich
diese hier noch geschickt eingebundene Erzählung über einen Nebenaspekt
der Geschichte nicht, daher war ich wirklich positiv überrascht.

Auf keinen Fall unerwähnt bleiben darf die musikalische Untermalung des
Film. Hierfür verantwortlich zeigt sich René Bidmon. Bidmon hat es
geschafft dem Bild und der Geschichte des Films eine mehr als gelungene
musikalische Rahmung zu verschaffen. Mal düster und apathisch, mal
euphorisch und treibend. Von Anfang bis Ende sind wichtige Szenen immer
wieder mit starken klanglichen Kompositionen bestückt, was als
erfrischende Kontrastierung zu dem ansonsten eher recht wortkargen Film
dient.

Fazit:
Wer sich für Indiefilme interessiert, eine überlegte Story mit
charismatischen Schauspielern und einer Portion Witz haben will und dies
mit sprudelnden Blutquellen und auslaufender Hirnsuppe garniert ertragen
kann, der sollte sich ohne Umwege diesen Film besorgen.
Kurzum: Ziemlich geiler Independent Film aus den Grindhouse und Black
Lava Schmieden, der wie meist so üblich durch mangelndes Geld und
Technik einige Einbußen macht, jedoch durch Idee und Umsetzung voll
punktet und in diesem Genre ganz sicher seinen Platz behauptet.

– Fridolin

 

 

02.10.16

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