Matzeder – Mörder, Räuber, Delinquent

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Matzeder – Mörder, Räuber, Delinquent.

Dieser Independentfilm von Brandl Pictures hat es sich zur Aufgabe
gemacht, die wahre Geschichte des Franz Matzeder und der
„Matzöder-Räuber“ zu erzählen, einem Räubertrio des 19. Jahrhunderts in
Niederbayern. Er basiert auf einem Buch der Autoren Fred Haller und Karl
Kieslich, wobei sich letzterer auch für das Drehbuch des vorliegenden
Films verantwortlich zeigt. In den Hauptrollen zu sehen sind Günter
Brandl, Ulrich Baumgartner und Stefan Neubauer. Die weiteren Rollen im
Film sind mit überwiegend Laiendarstellern aus der Region um Simbach und
Arnstorf besetzt, wobei einzelne Szenen des Films zudem an
Originalschauplätzen gedreht wurden, was dem Film einen besonderen Reiz
gibt.
In unterschiedlichen zeitlichen Etappen von den Jahren 1810, der Geburt
Matzeders bis hin zu seiner Verurteilung und Hinrichtung im Jahre 1851,
zeichnet der Film die Geschichte des bereits früh verhaltensauffälligen
Maurerlehrlings Franz Matzeders nach. Wie der Untertitel des Filmes –
Mörder, Räuber, Delinquent – bereits vermuten läßt, ist die Geschichte
inhaltlich auf die Genese der Verbrechenslaufbahn Matzeders hin
ausgerichtet. Dabei ist die erste halbe Stunde des Films damit
beschäftigt, die Geburt, frühe Kindheit und die grundlegende familiäre
Situation zu beschreiben. Hier gelingt dem Film einer der wirklich guten
inhaltlichen Kompositionen, nämlich die Darstellung von Franz Matzeder
als etwas „störendes“ und vielleicht auch „ungewolltes“. Der Vater ist
bei Geburt völlig unbeteiligt und ächzt teilnahmslos über einen weiteren
Mund, der „gestopft werden muß“, und der Taufpate kommentiert seine
Rolle mit: „einer muß es ja machen“. Hier gibt es eine gelungene
theoretische Ebnung respektive Andeutung einer Möglichkeit einer
schwierigen menschlichen Genese, wie sie im weiteren leider zu wenig in
die Erzählung eingeflochten ist. Im Anschluß erfährt der Zuschauer durch
mehrere szenische Verbrechen von Matzeder bzw. den Matzöder-Räubern.
Während diese Verbrechensszenen durchaus zu den eigentlichen Spannungen
im Film zählen und die Matzöder-Räuber ja überhaupt die Triebfeder des
gesamten Plots sind bzw. sein sollen, so läßt der Film leider wichtige
Details vermissen, anhand derer der Zuschauer etwas mehr über das
räuberische Trio hätte erfahren können. Das Trio begeht Verbrechen, der
Zuschauer sieht dabei zu, jedoch fehlt hier dem Zuschauer die
Möglichkeit der Eingebundenheit in die Erzählung selbst. Ursächlich
scheint dies durch mangelnde Sprache zu sein, denn der Film „zeigt“
lediglich und „erklärt“ nichts oder nur wenig, wodurch der Zuschauer
immer das Gefühl hat, außen vor zu sein. Gerne hätte ich etwas mehr über
die Entstehung des Trios erfahren. Es läßt sich hier zwar etwas
zusammenreimen, aber das ist Zuschauerfantasie an der falschen Stelle.
In der Regel wird ein Film spannend und mitreißend, wenn sich der
Zuschauer mit den Protagonisten identifizieren kann, mitfiebern kann.
Dies wird jedoch nur über die Vermittlung von Sprache und Dialogen
geschehen, an dieser Stelle patzt der Film leider etwas. Ein wichtiges
Moment aber schafft der Film, und zwar das verstörende Gefühl beim
Zuschauer zu erzeugen, wenn das Böse – hier in Form von Franz Matzeder –
in die heile, wohl geordnete Welt, hier des niederbayrischen Dorflebens,
einbricht. Leider hält dieser bedeutende Moment und das dazugehörige
Gefühl nicht allzu lange an und man sitzt wieder „zuschauend“ vorm
Bildschirm und sieht die Handlungen vor sich ablaufen.
Im Gegenzug jedoch glänzt der Film mit den urbayrischen und/oder
niederbayrischen Details aus dem 19. Jahrhundert. Im gesamten Verlauf
sehen wir immer wieder detailreiche Darstellungen der Kleidung bzw.
Trachten dieser Zeit, es werden szenisch die damaligen Handwerks-,
Berufs- sowie Lebenstraditionen realistisch nachgestellt. Über die
Bilder, die nähe zur Historie und die liebevolle Nachbildung der
damaligen Zeit und des Lebens der Gegenden um Simbach und Arnstorf,
erschafft der Film das Prädikat „sehenswert“. Die wenigen wirklich
unrealistischen Ausreißer in den Szenen entschuldigen wir durch die
gelungene Aufbietung des eben genannten Imaginären.
Die Darsteller selbst sind überwiegend Laiendarsteller, was sich im Film
an mehreren Stellen bemerkbar macht. Hier wechseln sich tatsächlich
professionelle Schauspielerei mit gezwungener Darbietung und
kameraintimer Unsicherheit ab, was bei einem Independentfilm allerdings
keine Seltenheit ist und hier eben als gegeben anerkannt werden muß und
nicht negativ in die Gewichtung einfließt.
Fazit:
Im Gesamt ist dies ein sehenswerter Streifen, der auf Indi-Niveau recht
gut abschneidet. Die genannte Mischung der „Professionalität“ der
Darsteller ist ausreichend. Die technische Rahmung ist völlig in
Ordnung, wobei der Dreh recht professionell abgewickelt worden ist und
besonders der Ton im Gegensatz zu manch anderen Independentstreifen
bestens ist. Lediglich die Lichtverhältnisse bei Außendrehs sind
stellenweise etwas überstrapaziert durch die Helligkeit des
Tageslichtes. Mit 129 Minuten ist der Film jedoch zu lang, besonders zum
Ende hin zieht sich alles in die Länge, wobei doch die Gefangenschaft
und Hinrichtung eigentlich ein spannender, freudig erwartbarer Moment
wäre auf den man als Zuschauer hingeifert. Die DVD kommt mit einigen
Beilagen wie Making of und Outtakes, einem Bonus Kurzfilm, alternativem
Ende und und und.
Wer auf Filme mit „mörderischen wahren Begebenheiten“ steht, kann
durchaus mal einen Blick riskieren, sollte sich jedoch klar sein, daß
die Spannung der Geschichte nicht wirklich fesselnd dargebracht wird.
Wer daneben jedoch Interesse am Bayrischen hat, an alter Tradition und
Historie dörflichen Lebens, der erlebt hier eine schöne bildliche
Darstellung des alten Lebens. Die Dialoge sind übrigens untertitelt, was
für mich wirklich nötig war. Dadurch bleibt tatsächlich auch noch eine
kleine Lehrstunde, im besten klassischen niederbayrischen Dialekt.

 

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Eine wahre Geschichte die es in sich hat. Es gibt einiges an Büchern und Beiträgen zum Thema. Wer also Lust bekommen hat, sich die Geschichte um Matzeder und seine Mannen näher kennen zu lernen kann sich hier einiges an Material bestellen.

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30.09.16

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